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Landtagsrede von Patrick Humke-Focks

30. April 2010 Patrick-Marc Humke-Focks, sozial- und gesundheitspolitischer Sprecher

Redebeitrag zum Thema: „Sexuellen Missbrauch an Kindern verhindern - Charité-Präventionsprojekt „Dunkelfeld“ als einen Baustein in der Präventionsarbeit auch in Niedersachsen etablieren“

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Wir finden es ausgesprochen gut und wichtig, dass die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen dieses sensible Thema angesprochen hat und dass wir es weitgehend schaffen, ruhige und vernünftige Redebeiträge dazu zu leisten, die hoffentlich dazu führen werden, dass wir entsprechend tätig werden können. Denn zwischen uns sollte unstrittig sein, dass der beste politische Umgang mit sexuellem Missbrauch von Kindern eine erfolgreiche Präventionsarbeit ist, die sich natürlich vorrangig an die Opfer richten muss. Das ist, denke ich, wichtig.

Wir müssen die Kinder früh dazu erziehen, ein Nein und eine deutliche Abwehrhaltung auf verbale und körperliche Grenzüberschreitungen zu habitualisieren. Das kann die Kinder leider nicht vollständig gegen jeglichen Übergriff, gegen jeglichen Missbrauch schützen, keine Frage. Aber es ist ein zentraler Punkt in der üblichen Konstellation des Kindesmissbrauchs. Es ist daher absolut bedauerlich, dass diesbezügliche pädagogische Projekte in Kindergärten und Schulen bisher nur unzureichend gefördert werden und soziale Akteure wie z. B. Mädchenprojekte chronisch unterfinanziert sind.

Neben der präventiven Arbeit mit den potenziellen Opfern müssen wir auch einen Blick auf die potenziellen Täter richten. Das wurde schon mehrfach gesagt. Das Charité-Projekt Dunkelfeld richtet sich dabei an drei verschiedene Gruppen von Männern - ich möchte das hier wiederholen -: erstens an Männer, die bisher weder sexuellen Missbrauch noch Kinderpornografiedelikte begangen haben, aber sich selbst davor fürchten, Kinderpornografie zu nutzen, zweitens an Männer, die noch nie sexuellen Missbrauch begangen haben, aber bereits im sogenannten Dunkelfeld Kinderpornografie genutzt haben und befürchten, dies weiter zu tun, drittens an Männer, die Kinderpornografie im Hellfeld genutzt haben und einen Rückfall befürchten. Wir sehen hier ein fraglos sehr schwieriges Arbeitsfeld. Es kann tatsächlich nur niedrigschwellig funktionieren. Gleichzeitig darf es keineswegs den Anstrich eines Täterschutzes bekommen. Aber „schwierig“ heißt eben nicht „falsch“. Das müssen wir uns in diesem Zusammenhang immer wieder vor Augen führen.

(Beifall bei der LINKEN sowie Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Wenn ein solches Projekt verantwortungsvoll und mit hoher Fachkompetenz umgesetzt wird, kann es einen gewichtigen Beitrag zum Schutz von Kindern leisten, auf den wir nicht verzichten können. In diesem Fall habe ich die hoffentlich begründete Hoffnung an die CDU, dass wir uns dieses Projekt in Berlin wirklich einmal genauer anschauen und dann von diesen Erfahrungen lernen mögen. Wir brauchen auch an diesem Punkt das Rad in der Tat nicht neu zu erfinden; denn wir können in diesem Fall für Niedersachsen lernen. Das ist meine Hoffnung, mit der ich meinen Redebeitrag schließen möchte, nämlich dass wir uns dieses Projekt wirklich genauer anschauen. 80 000 Euro Anschubfinanzierung wären ein erster Schritt.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN sowie Zustimmung bei der SPD)