Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollege!
Meine Damen und Herren von der CDU und von der FDP, Sie nehmen doch schon die Überschrift Ihres Antrags „UNESCO-Weltnatur-erbe: Das Wattenmeer - Chancen für den Tourismus nutzen - Naturschutz stärken“ nicht ernst; denn sonst hätte es nicht anderthalb Jahre gedauert, bis dieser Antrag hier beschlossen wird.
(Zustimmung bei der LINKEN)
Als erste Naturlandschaft in Deutschland bekam das Wattenmeer vor nunmehr fast zwei Jahren den Titel „UNESCO-Weltnaturerbe“. Das hat in den betroffenen Regionen eine unglaublich gute Resonanz ausgelöst. Das muss natürlich gepflegt und auch unterstützt werden. Das jedoch gibt Ihr Antrag mit den dünnen Forderungen überhaupt nicht her. Die Chancen für den Tourismus sind dadurch gewachsen, die Probleme und die Herausforderungen zugleich aber auch. Die Nordseeurlauber erwarten intakte Natur im Wattenmeer und würden andernfalls nicht wiederkommen. Die Reisebranche hat daher eine ganz zentrale Verantwortung wahrzunehmen.
Die Landesregierung wiederum muss für das Weltnaturerbe Wattenmeer den Naturschutz und die Wirtschaftlichkeit durch entsprechende politische Rahmenbedingungen in Einklang bringen. Die erforderlichen materiellen Bedingungen der Nationalparkhäuser und Informationszentren müssen bei alledem ebenso gesichert werden wie die nachhaltige Erhöhung der Zahl der hauptamtlichen Nationalparkwarte; „Ranger“ spricht sich leichter aus. Es wurde schon gesagt: Fünf Ranger sind einfach nicht genug, um den Naturschutz in diesem einmaligen Gebiet zu gewährleisten.
All das muss bedarfsgerecht durch die Bereitstellung von Mitteln im Landeshaushalt erfolgen und darf nicht nach der Kassenlage im Hause Möllring geschehen. Der Antrag von CDU und FDP sagt dazu überhaupt nichts. Um mehr als bisher notwendig den nachhaltigen Schutz des Wattenmeeres sicherzustellen und um mehr Respekt gegenüber der Natur zu zeigen, dürfen wir keine Hotel-bauten in den Dünen zulassen oder noch mehr Flugverkehr auf die Inseln kommen lassen. All das wäre dem nicht zuträglich.
(Beifall bei der LINKEN)
Meine Damen und Herren, der Tourismus im Wattenmeer muss sanfter werden. Fachleute aus Um-weltverbänden weisen z. B. darauf hin, dass die Fischerei auf Muscheln und Krabben noch nicht naturverträglich ist. Sie warnen zugleich vor einer drohenden weiteren Industrialisierung des Wattenmeeres durch Kohlekraftwerke und auch durch Ölförderung. Meine Damen und Herren, die Landesregierung muss diese Hinweise sehr ernst nehmen.
(Beifall bei der LINKEN)
Die unglaublichen Vorgänge um die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zeigen, welch Irrweg es ist, mit der Ausbeutung der letzten Ölressourcen ins Meer zu gehen. Der Änderungsantrag von SPD und Bündnisgrünen stellt eine analytisch begründete und profunde Sicht für eine ökologisch sinnvolle Ausgestaltung des Tourismus dar. Wir werden diesem Antrag zustimmen und folgerichtig den Antrag der Regierungskoalition ablehnen.
(Beifall bei der LINKEN)