
Hannover. Die Fraktion DIE LINKE im Landtag hat angesichts der Tötung von 180.000 Mastputen im Kreis Cloppenburg den hohen Anteil an Massentierhaltung in Niedersachsen kritisiert. „Die Geflügelpest trifft Niedersachsen besonders hart, weil mehr als 50 Prozent aller deutschen Federviecher in Niedersachsen leben und in Massen gehalten werden“, sagte Marianne König, agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Nach Ansicht von König begünstigt der hohe Tierbestand im Kreis Cloppenburg nicht nur die Ausbreitung der Geflügelpest, sondern er sei vermutlich für die Entstehung mitverantwortlich.
Die angeordnete Stallpflicht hält König nicht für ein geeignetes Mittel zur Eindämmung der Tierseuche. Die meisten Ausbrüche der hochgefährlichen Variante der Geflügelgrippe habe es in geschlossenen Ställen gegeben, Freilandbetriebe seien weitaus seltener betroffen „Das zeigt die Sinnlosigkeit einer Stallpflicht“, sagte König.
Außerdem mutierten die Viren in geschlossenen Systemen wegen der extremen Enge und dem durch Dauerstress geschwächten Immunsystem der Tiere zu den gefährlicheren Formen der Krankheit. „Es ist somit gerade diese Haltungsform - mit all ihrer so genannten ‚Biosecurity‘ - die dafür sorgt, dass sich derartige Viren entwickeln und über lange Zeit halten können. Zu Letzterem tragen auch die Impfungen bei. Es ist also keine Lösung, Tiere durch enge Stallhaltung zu quälen und sie zu impfen“, sagte König.
Die Landwirte, durch die schlechten Marktbedingungen der Globalisierung zur Massentierhaltung gezwungen, seien die Leidtragenden. Zwar werden die direkten Verluste durch die Geflügelpest von der Seuchenkasse getragen, aber die erzwungenen Leerstände entschädige man nicht. König forderte eine Kurskorrektur in der niedersächsischen Landwirtschaft: weg von der Massentierhaltung hin zu einer vielfältigeren Landwirtschaft. Rund 72 Millionen Geflügel seien für Niedersachsen zu viel, betonte die landwirtschaftspolitische Sprecherin.