
Hannover. Die bisherige Betreiberfirma des Atommülllagers Asse hat größere Mengen radioaktiver Lauge in andere Bergwerke verbracht als bisher angenommenen. Das wirft nach Ansicht des umweltpolitischen Sprechers der Fraktion DIE LINKE im Niedersächsischen Landtag, Kurt Herzog, ein Bündel neuer Fragen auf. Dabei müsse zunächst geklärt werden, ob es überhaupt Genehmigungen gegeben habe, die vor dem Jahr 2005 gesammelten Laugen nach außerhalb zu verbringen, sagte Herzog. Außerdem müsse klar gestellt werden, ob und wie Proben entnommen wurden und ob Rückstellproben existieren. Dabei erhärte sich der Verdacht, dass Laugen gepanscht worden sind. „Es zeigt sich, dass der Sumpf in der Asse noch lange nicht trocken gelegt ist“, sagte Herzog. Vielmehr werde wieder einmal deutlich, wie die Atomaufsicht des Landes unter Umweltminister Hans-Heinrich Sander geschlafen habe. „Die zuständige Behörde guckt jetzt das erste Mal in die Akten - genau wie wir.“
Der Atompolitiker der Linksfraktion widersprach dem Staatssekretär im Umweltministerium, Stefan Birkner (FDP), der erklärt hatte, die verbrachten Laugen seien kaum radioaktiv belastet gewesen. Dabei wies Herzog noch einmal daraufhin, dass die Grenzwerte im Jahr 2001 im Zuge der von Rot-Grün initiierten Novelle der Strahlenschutzverordnung heraufgesetzt worden waren. „Die jetzt gemessenen Werte der Asse-Lauge lagen nur knapp unter den damaligen Grenzwerten für Tritium. Man hat jedoch 2001 nach den Atom-konsens-Verhandlungen die Grenzen erhöht, um den reibungslosen Betrieb der Atomkraftwerke nicht zu gefährden“, sagte Herzog. Der Grenzwert für das radioaktive Tritium sei um den Faktor 2000 heraufgesetzt worden. „Die Gesundheitsgefährdung ist ja 2001 nicht über Nacht mit dem heraufgesetzten Grenzwert weniger geworden. Der Staatssekretär suggeriert aber, die Laugen seien ungefährlich. Das sind sie mitnichten“, sagte Herzog.