
Hannover. DIE LINKE im Landtag kritisiert, dass die Bahn-Infrastruktur zwischen Ost und West auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch immer weitgehend brachliegt. Die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion, Ursula Weisser-Roelle, sagte: „Bei der Bahn scheint die Mauer nach wie vor zu stehen. Anders ist es nicht zu erklären, dass in zwei Jahrzehnten von ehemals 70 Schienenverbindungen zwischen Ost- und Westdeutschland nur sechs wieder in Betrieb sind“. Besonders der Nordosten Niedersachsens mit seinen Nachbarn Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeige, wie gründlich die Vereinigung bei der Bahn verschlafen worden sei, so Weisser-Roelle – sie beruft sich dabei auf Zahlen, die der niedersächsische Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) ermittelt hat.
„Viele der Bahn-Lückenschlüsse, die in Niedersachsen bereits kurz nach dem Mauerfall diskutiert wurden – etwa Jerxheim-Dedeleben oder Duderstadt-Teistungen –, spielen in den Planungen der Landesregierung heute keine Rolle mehr“, kritisierte die Verkehrsexpertin. Das Land habe sogar in Kauf genommen, dass Anschluss-Bahnstrecken für den Neubau von Fernstraßen demontiert wurden. Abgebaut wurden zum Beispiel Strecken an der A 38 Göttingen-Halle, die bis heute nicht ausreichend frequentiert sei.
Gelernt habe man daraus offenbar nicht: „Es ist bezeichnend für die Regierung Wulff/Rösler mit ihrer unsäglichen Straße-vor-Schiene-Doktrin, dass sie laut der ‚Forderungen der norddeutschen Länder an eine neue Bundesregierung‘ 300 Kilometer neue Autobahnen verlangt, während in dem ganzen Papier nicht eines der brachliegenden Ost-West-Bahnprojekte überhaupt nur erwähnt wird“, so Weisser-Roelle. „DIE LINKE fordert die Landesregierung deshalb auf, endlich tätig zu werden und nachprüfbare Schritte für die Vollendung der Deutschen Einheit im Zugverkehr vorzulegen.“