
Hannover. DIE LINKE im Landtag hat erneut gefordert, die Suche nach einem Atomendlager neu aufzunehmen und den Salzstock Gorleben aus dieser Suche auszuschließen. Anlass ist eine neue Expertise des Geologen Ulrich Schneider, wonach der Salzstock möglicherweise bis zu 600 m tiefe Risse und Klüfte infolge des Dauerfrosts während der Eiszeit aufweist. In mehreren bergmännisch erschlossenen Salzstöcken in Niedersachsen sind ähnliche Eiszeitspalten nachgewiesen.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sieht laut einer Studie über Salzformationen (BGR 1995, S. 19) für Tiefen bis zu 400 m unter der oberen Fläche des Salzstocks solche Risse und Klüfte als durchaus realistisch an. Im Textteil ihrer 2008 veröffentlichten Standortbeschreibung verschweigt sie dies allerdings. Es gibt keinerlei Aussagen darüber, ob auch in den anderen Salzstockbohrungen gegebenenfalls noch tiefer reichende Klüfte angetroffen wurden; es fehlt jegliche Detailbeschreibung der Klüfte wie z.B. der Spaltenbreite, der Kluftfüllung und der räumlichen Lage.
Allein die Tatsache, dass in beiden Schächten Frostrisse gefunden wurden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es im Salzstock ein ganzes Netz solcher Klüfte und Risse gibt, die unter Umständen bis in die Nähe des geplanten Endlagers und in dieses hineinreichen können. Von einem einschlusswirksamen Gebirgsbereich kann somit nicht mehr die Rede sein.
Der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Kurt Herzog, sagte: „Neben dem desolaten Deckgebirge ist also auch der bislang vielgelobte Salzstock brüchig und in einem desolaten Zustand.“ In einer Million Jahren, die für die geforderte Langzeitsicherheit notwendig seien, würden sich ca. zehn Eiszeiten über den Salzstock hinwegschieben.
Weil sich der Salzstock nach der Einlagerung wärmeproduzierender radioaktiver Abfälle aufheizen würde und auch weil bei künftigen Eiszeiten erneut mit Permafrost zu rechnen ist, werden die vorhandenen Risse erneut aktiviert werden und Wasser in den Salzstock hinein bzw. Radionuklide hinauslassen. Die Langzeitsicherheit eines Endlagers für einen Zeitraum von eine Million Jahre ist deshalb nicht zu gewährleisten.
Herzog: „Eine weitergehende Erkundung des Salzstocks Gorleben ist angesichts dieser Fakten nicht mehr zu vertreten. Es werden nicht weniger Spalten, Risse und Klüfte, Kaliflöze und Laugennester gefunden werden, sondern nur noch mehr.“ Eine alternative Standortsuche sei unumgänglich und sollte unverzüglich aufgenommen werden.