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23. Februar 2010 Patrick Humke-Focks, sozialpolitischer Sprecher

DIE LINKE: Armut auf dem Land grenzt aus – Wer Armut bekämpfen will, der braucht eine Bestandsaufnahme

Hannover. DIE LINKE im Landtag sieht sich angesichts der heute von der Evangelischen Kirche vorgestellten Studie „Armut und Scham“ in ihrer Auffassung bestätigt, dass Armut auf dem Land besonders ausgrenzend wirkt. Der sozialpolitische Sprecher der Linksfraktion, Patrick Humke-Focks, erklärte dazu: „Armut auf dem Land grenzt auf vielfältige Art und Weise aus. Arme sind in ihrer Mobilität und Teilhabe eingeschränkt: Sie können sich die Fahrt in die nächste Stadt nicht leisten, die Mitgliedschaft im Sportverein oder das traditionelle Grünkohlessen.“ Humke-Focks lobte die EKD-Studie. Sie räume mit dem Mythos der Dorfgemeinschaft auf, die grundsätzlich zusammenhalte. „Tatsächlich ist die Scham, arm zu sein, auf dem Land besonders groß. Gerade in Dörfern gibt es die Tendenz, nichts mit den Armen zu tun haben zu wollen“, betonte Humke-Focks.

Mittlerweile gebe es in vielen kleinen Dörfern keine Einkaufsmöglichkeiten mehr - wer einkaufen will, müsse mit dem Auto oder dem Bus in die nächste Stadt fahren. Hartz-IV-Empfänger müssten deshalb einen Großteil ihres Regelsatzes dafür verwenden, Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen oder kulturelle Angebote zu nutzen. Falsch sei deshalb auch die Behauptung vieler CDU- und FDP-Politiker, Hartz-IV-Empfänger auf dem Land hätten es viel besser, weil ihr Leben günstiger sei als in der Stadt. Die Linksfraktion hatte im zurückliegenden Landtagsplenum die Erstellung eines qualitativ besseren Armuts- und Reichtumsberichts für Niedersachsen gefordert. „Wir brauchen eine Bestandsaufnahme, um Armut und Ausgrenzung bekämpfen zu können“, so Humke-Focks. Anscheinend habe die Landesregierung allerdings kein Interesse daran - sie hatte den Antrag der LINKEN für unnötig befunden. Mit Spannung erwarte er die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der Linken zum Thema „Politik der Landesregierung für den ländlichen Raum“.