
Hannover. DIE LINKE im Landtag hat heute einen Entschließungsantrag mit umfangreichen Reformvorschlägen zum Bologna-Prozess in den Wissenschaftsausschuss eingebracht. „Die Bologna-Reform schreitet voran - allerdings in die falsche Richtung. Sie muss jetzt vom Kopf auf die Füße gestellt werden“, sagte Victor Perli, der hochschulpolitische Sprecher der Fraktion. Mit der Reform wollen die 46 Teilnehmerstaaten einen einheitlichen europäischen Hochschulraum schaffen; die Umsetzung in Niedersachsen sei jedoch mangelhaft. „Studiengänge werden umgetopft und den Studierenden und Wissenschaftlern werden Hindernisse in den Weg gelegt“, so Perli. Besonders das Soziale werde vernachlässigt. „Die Studierenden sollen laut Bologna-Ziel die Bevölkerung widerspiegeln, doch aus ärmeren Schichten kommen nur wenige Studierende.“
Auch elf Jahre nach Unterzeichnung der Erklärung von Bologna gebe es noch erhebliche Schwierigkeiten für Forscher und Studierende, eine Zeit lang ins Ausland zu gehen. „Mobilität ist ein zentraler Aspekt: Ohne Austausch kann ein europäischer Hochschulraum nicht gelingen“, so Perli. Er forderte die Landesregierung auf, Mobilität gezielt zu fördern, grenzübergreifende Studiengänge zu unterstützen und die Aufenthaltsbedingungen für ausländische Studierende und Forscher zu verbessern.
Desweiteren forderte Perli den Fortbestand des Abschlusses Dipl.-Ingenieur, mit dem die Absolventen nach Ansicht der Hochschulen bessere Arbeitsmarktchancen hätten, da er international anerkannt sei. Die Linksfraktion greift damit einen Vorschlag der neun größten Technischen Hochschulen Deutschlands auf. „Die Verleihung des Diplom-Ingenieurs bedeutet keinen Roll-Back zu den alten Zeiten; die qualitative Weiterentwicklung der neuen Studiengänge muss selbstverständlich auch dann weitergehen, wenn sich Master-Absolventen zusätzlich auch Diplom-Ingenieure nennen dürfen“ sagte Perli.