
Hannover. Nach Ansicht der Linksfraktion im Landtag ist die heute veröffentlichte Studie des Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm zur privaten Schüler-Nachhilfe ein weiterer Beleg für die Chancen-Ungleichheit im Schulsystem. Niedersachsens Familien zahlen laut der Studie durchschnittlich mindestens 98 Euro pro Monat für private Nachhilfe. Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Christa Reichwaldt, erklärte dazu: „Unsere Schulen bieten zu wenig Unterstützung an. Das Ergebnis sind private Nachhilfestunden, die sich arme Familien nicht leisten können. Daraus resultieren schlechtere Bildungschancen für sie.“ Etwa jeder siebte Schüler nimmt der Studie zufolge private Nachhilfe in Anspruch; in Finnland sei es nur jeder Fünfzigste. Dort gebe es mehr Hilfe an den Schulen wie Kleingruppen- und Einzelunterricht. „Dadurch hängt die individuelle Förderung weniger vom Geldbeutel der Eltern ab“, sagte Reichwaldt. Das gegliederte Schulsystem in Niedersachsen verstärke die ungleichen Bildungschancen, da bereits im Alter von zehn Jahren der Grundstein für die weitere Bildungskarriere zementiert werde. „Der Leistungsdruck ist hoch, den Anschluss nicht zu verpassen“, sagte Reichwaldt. Ziel müsse es sein, die private Nachhilfe überflüssig zu machen. Dazu sei mehr Personal an den Schulen nötig und ein System, in dem die Schüler länger gemeinsam lernen.
Die Linksfraktion setzt sich für ein wirklich kostenfreies Schulsystem ein. Auf eine Große Anfrage der Linksfraktion hatte die Landesregierung kürzlich geantwortet, dass sie nicht wisse, wie hoch die Kosten für einzelne Bereiche des Schulbesuchs seien. Außerdem hatte sie erklärt, es gebe keine soziale Kluft im Schulsystem. Reichwaldt erinnerte daran, dass der Anteil von Schülern aus Hartz-IV-Familien an Gymnasien nur 4,4 Prozent betrage, an Hauptschulen hingegen 28,1 Prozent und an Förderschulen sogar 43,8 Prozent. „Wer hier keine soziale Schere sieht, muss blind sein“, sagte Reichwaldt. Die Linksfraktion hat deshalb kürzlich einen Antrag in den Landtag eingebracht, um die Kosten für den Schulbesuch umfassend zu ermitteln und um Wege aufzeigen, den Schulbesuch tatsächlich kostenfrei zu halten.