DIE LINKE im Castorwiderstand - Ein Wochenende im Wendland

Die Fraktion DIE LINKE im Landtag ist zurück aus dem Wendland. Gemeinsam mit vielen Tausend Demonstranten zeigten Abgeordnete und Mitarbeiter der Fraktion drei Tage lang, was sie von der Atomkraft halten – nämlich nichts. Los ging es am Samstag mit einem „rollenden Widerstand“: Per Bus fuhren die Abgeordneten – begleitet von einem NDR-Kamerateam und Vertretern der Bürgerinitiative – zu neuralgischen Orten und Plätzen, die für den Widerstand von Bedeutung sind.

Anschließend ging es zur großen Castor-Demo nach Gorleben. Dort schloss sich die Fraktion zahlreichen Parteimitgliedern an, die ebenfalls an der Kundgebung teilnahmen. Erfreut war Linksfraktionschef Dr. Manfred Sohn darüber, dass auch viele Grüne demonstrierten - unter anderem Parteichefin Claudia Roth. „Wir begrüßen ausdrücklich das Engagement der Grünen bei den Demonstrationen. Es scheint eine Wiedergutmachung für den sogenannten Atomkonsens zu sein, durch den die Laufzeiten der AKW für Jahrzehnte garantiert werden“, sagte Sohn. Der Fraktionsvorsitzende wies auf die Bedeutung der Bundestagswahl 2009 hin: Sollte es zu einer Regierungskoalition aus CDU und FDP kommen, würde dies eine Renaissance der Atomkraft bedeuten.

Fraktionssitzung in der Sperrzone

Am Sonntag hielt die Fraktion eine Sitzung in der Sperrzone in Dannenberg ab. Die Abgeordneten trafen sich beim umweltpolitischen Sprecher der Linksfraktion Kurt Herzog. Zu Gast waren auch zwei Bundestagsabgeordnete der Partei DIE LINKE, Dorothée Menzner und Eva Bulling-Schröter, sowie Vertreter der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg und des Asse-Koordinationskreises. Die Sitzung wurde von Polizisten beobachtet. Wenn der Castor-Transport durch Dannenberg rollt, fährt er in unmittelbarer Nähe des Grundstücks des Umweltexperten vorbei.

In der Nacht zu Montag intensivierten sich die Proteste gegen den Atommülltransport. Unter anderem besetzten zahlreiche Demonstranten Gleise nördlich von Harlingen, unter ihnen war auch der Fraktionsvorsitzende Sohn. Die agrarpolitische Sprecherin Marianne König protestierte mit jenen Landwirten, die es geschafft hatten, Beton-Pyramiden auf die Gleise zu hieven und sich daran festzuketten. Für lange Schlangen bei den Demonstrationen sorgte Fraktionsmitarbeiter Diether Schaarschmidt, ein langjähriger Atomkraftgegner aus dem Wendland. Mit einem selbstgebauten Ofen buk er stundenlang unermüdlich Waffeln – Waffeln mit Logo: „Atomkraft – Nein Danke“.

Sohn und Herzog Bis zum Schluss in der Blockade

 Am Montag blockierten Abgeordnete und Mitarbeiter der Linksfraktion mit rund 1000 weiteren Atomkraftgegnern bis zuletzt das Zwischenlager Gorleben. Fraktionschef Dr. Manfred Sohn und der umweltpolitische Sprecher Kurt Herzog gehörten zu den letzten, die von den Polizisten - teilweise sehr unsanft - weggetragen worden sind. „Das Widersetzen auf den Schienen ist legitim“, sagte Sohn. Auch wenn der Castor-Transport wie erwartet nicht aufgehalten werden konnte, wertete die Linksfraktion die erreichte eintägige Verzögerung des Transports als großen Erfolg. Fraktionschef Dr. Manfred Sohn sprach vom Wiedererstarken der Anti-Atomkraftbewegung, die „niemals tot war und leben muss bis das letzte AKW abgeschaltet ist."


Impressionen vom Castortransport

DIE LINKE auf der Großdemonstration in Gorleben - Ein Bericht von Kreszentia Flauger

Mehr als fünfzehntausend Menschen waren am Samstag nach Gorleben gekommen, um gegen den Atomwahnsinn zu demonstrieren, darunter auch mehrere hundert Mitglieder der Linken, die allerdings wegen Fahnenmangel längst nicht alle deutlich zu erkennen waren. Rein optisch waren deshalb die Grünen besser vertreten als wir, was sich in der Presseberichterstattung entsprechend wiederfindet.

Aber das Wetter meinte es gut mit uns, die Stimmung war klasse. Phantasievolle Begleitaktionen - wie "falsche" Polizistinnen und Polizisten mit dem Wappen der freien Republik Wendland am Ärmel und amtlich aussehenden Demonstrantenausweisen am Revers reihten sich in die am Waldrand stehenden Polizisten ein und ahmten überzeugend deren Haltung und ernste Mienen nach. Eine Theatergruppe auf einem Leiterwagen spielte geisterhafte Atomleichen, die Clownsarmee amüsierte mit witzigen Sprüchen, Trommelgruppen, Bands und Gesang reicherten die Demo kulturell noch weiter an.

Eine Teilnahme wie seit Jahren nicht mehr

Man muss schon bis in die Anfangszeiten der Anti-Atom-Bewegung zurückschauen, um eine so hohe Beteiligung wie jetzt 2008 zu finden. Sicher gibt es mehrere Gründe, warum jetzt wieder so viele Menschen aktiv zeigen, dass sie gegen Atomenergie sind: Die angeblich sichere Asse säuft ab - ein Salzlager, das gleiche Material wie in Gorleben. In Frankreich gab es in diesem Jahr mehrere Atomunfälle, die Kinderkrebsstudie zeigt Auswirkungen des Lebens in der Nähe von AKWs. CDU und FDP wollen die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängern und denken sogar an Neubau. Sie schrecken auch nicht davor zurück, den Menschen vorzulügen, Atomenergie sei sauber und billig, und wenn sie 2009 wieder in die Bundesregierung kommen, dann werden sie ihre Ziele wohl umsetzen. All das hat offensichtlich vielen Tausend zu denken gegeben.

Gut, dass sich jetzt wieder deutlich Widerstand gegen diesen Wahnsinn zeigt. Nicht nur die Demonstrantinnen und Demonstranten in diesem und in folgenden Jahren sollten sich warm anziehen - weil die Herrschenden die Castor-Transporte gezielt in die kalte Jahreszeit legen. Gleiches soll im übertragenen Sinne auch für die Regierenden gelten: Zieht Euch warm an - wir zeigen es Euch, diesmal und immer wieder, bis Ihr den Atom-Irrsinn stoppt.


Weitere Bilder von der Anti-Castor-Demo am 8. November 08 in Gorleben