Konservative Vorurteils-Suppe

Erst hattet Ihr ja noch gehofft, CDU, die Sache mit diesen fiesen Linken ginge vorüber wie ein lästiger Schnupfen. Das war ja nur so eine Ossi-Partei, im Westen mal ein halbes, mal ein Prozent, nichts, was die große Volkspartei mit dem „C“ im Namen fürchtete. Und als Oskar Lafontaine im Mai 2005 eine Vereinigung von WASG und PDS vorschlug, da habt Ihr Euch doch gröhlend auf die Schenkel geklopft und gelacht: „Das kriegen die nie hin, hahaha, und wenn doch, wählt die doch trotzdem keiner, hohoho!“

Dann dieser Einzug der Linken in den Bundestag, naja, das war nicht schön, aber Ihr wart Euch sicher: „Das ist bestimmt nur ne Eintagsfliege, der Spuk geht bald vorbei“. Der Wahlerfolg der Linken 2007 in Bremen, nun ja, eine Ausnahme im Westen halt, ein eher linker Stadtstaat, indoktriniert von Leuten wie Prof. Hickel, diesem Beinahe-Kommunisten, und sowieso alles nur Protestwähler.

Euer Plan war so einfach wie übersichtlich und vermeintlich sicher: Immer schön die Suppe aus Vorurteilen des kalten Krieges am köcheln halten, ein bisschen Polemik reinschnippeln von wegen „das kann man alles gar nicht bezahlen“, einen Schuss „alles Extremisten, Mauerschützen und SED-Nachfolger“ dazu und dann noch ein wenig „verfassungsfeindlich und deshalb zu beobachten“ als Würze drüberstreuen. Fertig ist ein schmackhaftes Gericht für gute deutsche Untertanen, denen klar ist, dass ja was dran sein muss, wenn jemand vom Verfassungsschutz beobachtet wird, weil der sowas ja nie ohne Grund tun würde. Inzwischen verweigert aber immer mehr renitentes Wahlvolk die Aufnahme der von Euch so liebevoll bereiteten Nahrung und findet das vorgesetzte Menü zum K... und kein bisschen schmackhaft. Die sagen einfach „Ich esse diese Suppe nicht, nein, diese Suppe ess ich nicht!“ und das trotz quasi Zwangsernährung durch die von Euch gesteuerten Mainstream-Medien. Und so blicket Ihr dann stumm auf dem ganzen Tisch herum.

Rat- und planlos steht Ihr nun in der politischen Landschaft – ein anderes Rezept als das von den Wählern verschmähte fällt Euch gegen die Linke partout  nicht ein. Man könnte ja mal versuchen, was aus politischen Inhalten zu kochen, aber in Eurer finster-konservativen Vorratskammer findet Ihr keine und mal ehrlich: selbst wenn Ihr in einem Eckchen noch ein paar Eurer neoliberalen Argumente fändet, schlucken würdet Ihr sie doch selbst nicht mehr. Eure eigenen Wähler jedenfalls sind längst nicht mehr alle überzeugt, dass es der Markt schon richten würde, Arbeitslose nur mal richtig gefordert gehören und Panzerdivisionen Frieden in Afghanistan schaffen. Und das wisst Ihr auch, mögt es Euch aber noch nicht mal allein zu Hause vor dem Spiegel wirklich eingestehen.

Jetzt greift Ihr mangels guter Zutaten verzweifelt auf die Notzeiten-Rezepte der Nachkriegszeit zurück, mit denen aus nahezu nichts und dem bisschen, was da ist, noch irgendwie was gemacht werden muss, was nach was aussieht. Schade für Euch, dass Gerichte nach diesen Rezepten selten halten, was sie versprechen, oft wenig Nährwert haben und nie so gut schmecken wie wirklich gute Argumente – Pardon, wirklich gutes Essen. Eines Tages – vielleicht schon im kommenden Jahr – werdet Ihr merken, dass weder Schünemanns Hardliner-Auflauf überbacken mit Verfassungsschutzbeobachtung noch Wulffs Springauf-Reflexschnitzel mit Antisozialismus-Klößen auf Dauer sättigen und nähren – und dass man Vorurteile nicht essen kann.