
Liebe Milchbäuerinnen und Milchbauern,
ich überbringe Ihnen als agrarpolitische Sprecherin die solidarischen Grüße der Fraktion Die Linke aus dem Niedersächsischem Landtag. Aber vor allem möchte ich Ihnen meine Anerkennung und Dank für Ihren Einsatz beim Milchstreik aussprechen. Ich selber war vor meinem politischem Mandat im öffentlichen Dienst beschäftigt und habe im Jahr 2006 an einem langem Streik teilgenommen. Aber ich wusste jeden Morgen, wenn ich mich auf den Weg zum Streiklokal begeben habe, am Monatsende kommt Geld auf mein Konto.
Die Milchbauern dagegen haben nicht nur auf Einkommen verzichtet, sondern sich täglich Ihr Recht auf einen fairen Milchpreis etwas kosten lassen, denn die Betriebskosten laufen natürlich auch in einer Streikphase weiter. Wenn Frau Merkel jetzt sagt, es habe ihr wehgetan das ein Grundnahrungsmittel damals weggeschüttet wurde, steht sie mit diesem Gefühl nicht allein da. Es tat ihr weh, vielen Menschen und vor allen Dingen Ihnen.
Mir tut es weh, dass Sie jeden Morgen – 7 Tage die Woche – aufstehen und für Ihre Arbeit nicht gerecht und angemessen entlohnt werden. Stattdessen erhalten Sie einen Monat später die Abrechnung der Molkerei und müssen das nehmen, was übrig geblieben ist. Aber von einem Wehgefühl können Sie Ihren Betrieb nicht halten und keine Familie ernähren.
17 bis 20 Cent sind zuwenig und was wird Ihnen jetzt geboten: Vorgezogene Direktzahlungen, Umschuldung und Stundungsangebote. Und jetzt soll die Rettung durch die Kappung der Agrardieselsteuer kommen. Dieser Vorschlag bringt den meisten Milchbauern keine Rettung, Grünlandbauern haben wenig Dieselverbrauch und erhalten jetzt den Selbstbehalt von 350 € jährlich, denn größtenteils gelangen sie gar nicht in den Vorteil durch Wegfall der Kappungsgrenze. Das nutzt großen Grünlandbetrieben und Ackerbauern. Die Milchbauern befürchten dadurch bei Pachtverhandlungen nicht mehr mithalten zu können, da nun die Ackerbauern deutlich mehr Geld zur Verfügung geht.
Ich sage nur, die Agrardieselsteuer war schon im Frühsommer 2008 Thema im Landtag und jetzt wurden die Milchbauern benutzt um ein lange geplantes Ziel durchzusetzen. Ziel ist es, einige wenige große Betriebe zu schaffen und das wird auch noch gefördert- und man ist bereit dafür die bäuerliche Landwirtschaft, die im dörflichen Leben Werte geschaffen hat und täglich ein gesundes Nahrungsmittel produziert, zu opfern.
Es geht bei der Durchsetzung eines fairen Milchpreises um mehr als Ihr Existenz. Das Problem geht uns alle, denn wir - die Verbraucher -wollen weiterhin für unsere Kinder Milch und zwar vom Bauern.
Für Ihren Protest und Ihre Tour nach Brüssel wünschen ich ihnen alles Gute, Kraft und Gottes Segen!